DAS ARCHIV DES
STIRNHIRNHINTERZIMMERS
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"Mir ist egal,
was morgen in der Presse steht. Hauptsache, sie konfiszieren die verdammte
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13.
Mai: Schantalle
Das Thema
war höchstpersönlich anwesend und feierte seinen Quizgewinn mit leidgeprüfter
Miene. Ohne Herrn von Aster, dafür mit dem extra aus Köln eingeladenen Gast
Sakura Ilgert, die einen Romanauszug aus ihrem Märchen Der Prinz von
Atlantis mitgebracht hatte, in dem ein Mann im Computer verschwindet und
dort sein weibliches Alter Ego trifft. Des weiteren verwirrte ein
Chantalle-Graffito den jungen Single-Fotografen Helmut Stuhler (Koch),
während ein Leidensgenosse seine Sünden in der gefürchteten Schandhalle
beichten soll (Hoffmann).
Es folgten die Pause, frische Luft fürs HinterZimmer und neuer Elan für den
zweiten Teil des Abends. Darin wurde in frankensteinesker Manier geschüttelt,
nicht gerührt (Ilgert), zwei hehre Ritter und Drachenjäger wurden mit
Piraten verwechselt (Koch) und eine unsichtbare Kampfmaschine bekam ihren
letzten Auftrag (Hoffmann).
Damit endete der Abend ebenso düster wie das Berliner Wetter und die ökonomiscen
Aussichten. Mal sehen, welche heissen Stunden der Juni mit sich bringt.
8.
April: Fünf - Die Jubiläumslesung
Feste
muss man feiern, wie sie fallen. Zum Fünfjährigen also versammelte sich die
gesammelte Mannschaft - Hoffmann, Koch, von Aster, Günni und Bernd (der unter
einer Bodenklappe lebendenen Nemesis aller Lesebühnen - im HinterZimmer der
Z-Bar, und ein bunter Reigen an Geschichten wurde dem Publikum präsentiert. Da
ließen sich die drei Autoren in einer Jubiläumsgeschichte klonen
(Hoffmann), da wurde endlich das Geheimnis um die geplante Verfilmung des
StirnhirnhinterZimmers gelüftet (v. Aster), da wurde ein armer Tropf vor seinem
achtzehnjährigen Geburtstag von seiner Freundin verlassen (Koch), und
Bernd brütete im Kabuff vor sich hin (Günni Steinmeyer). Außerdem wurden
Gratulationsschreiben aus höchster Feder verlesen ...
Nach der Pause: Ein kurzer Ausflug in die Magentahölle der Telekom (v.
Aster), die traurige Geschichte des hässlichsten Mädchens der Welt
(Hoffmann), fünf apokalyptische Reiter beim Hürdensprung (Koch), die Verballhornung chinesischer Legendenkunst (v.
Aster), und eine Geschichte um Manfred, der diesmal sein Büro für einen
heuschnupfkranken Kollegen räumen muss (Hoffmann).
Zwischendurch wurde ein fröhliches Quiz gespielt, in dem das
HinterZimmer-Fachwissen des Publikums ausgiebig getestet wurde. Die Resonanz war
enorm, die präzisen und umfassenden Antworten überschlugen sich förmlich (vor
allem auf der rechten Seite des Raums). Nach hartem Kampf konnte sich
schliesslich ein Gast an der Quiztrommel durchsetzen und damit höchstselbst zum
nächsten Thema werden ... der mit allen Stirnhirnwassers gewaschene
SCHANTALLE.
11.
März: Prosecco im Nachthemd
Ein unvergesslicher
Abend im Stirnhirnhinterzimmer zu Berlin. Von der ersten Minute an war das
sinnlich gestimmte Publikum nur allzu bereit, sich auf die kontrovers-erotische
Thematik PROSECCO IM NACHTHEMD einzulassen, die von drei Koriphäen der
Proseccolyrik zum Vortrag gebracht wurde. Boris Koch, Christian von Aster und
Johannes F. Kretschmann in Vertretung des abwesenden Markolf Hoffmann, der
an besagtem Abend anderweitige Verpflichtungen im Nachthemd hatte.
Nachdem Herr von Aster eine Geschichte über Alkoholschmuggel mit Hilfe
humanitärer Kleiderlieferungen ins Ohr goss, ließ Herr Kretschmann eine einsame
Science-Fiction-Tristesse ins Glas perlen. Hernach füllte Herr Koch das Publikum
mit suizidalen untervögelten Elfen ab, so dass im zweiten Teil kaum mehr zu tun
blieb, als Herrn Kretschmann noch einmal lesen zu lassen, noch zwei weitere
Astersche Teufel durchs Glas zu treiben und den kochschen Hauszombie Ewald nebst
einer Skorpionfrau in zart durchscheinende Nachtgewänder zu hüllen, damit das
überproportioniert angeheiterte Publikum sinnlich berauscht heimwanken konnte.
11.
Februar: Hinter der Grenze
Hinter
die Grenze begab sich Christian von Aster, genauer gesagt: hinter die Schweizer
Grenze. Als adäquater Ersatz wurde wieder einmal der literarische Grenzsoldat
Georg Kammerer eingeladen, der auch die erste Patroullie übernahm. Er
näherte sich der Figur Günther Wallraff in Form zynischer Politprosa ...
und bereitete damit den Boden für Markolf Hoffmanns erste und vermutlich auch
letzte Orkgeschichte Grenzland, in der ein königlicher Szepterreiter nach
den Spuren der Stinker sucht. Boris Koch wiederum berichtete von einer Jugend in
einem bayrischen Dorf, das in zwei Hälften geteilt ist. Berliner Mauer
goes Bavaria.
Nach der Pause folgte dann der Stellungswechsel: Ein Brief aus der Schweiz
enthüllt die Wahrheit aller helvetischer Klischees (v. Aster, gelesen von Boris
Koch), ein Dauerstudent beendet sein sinnloses Leben in der Inzesthölle
Kreuzberg (Kammerer), der freundliche Manfred vom
Rosenthaler Platz wird von Bionade-Spießern aus seiner Klause vertrieben
(Hoffmann), und ein notgeiler Gartenzwerg besteigt den Teddybär einer
jungen Soziologiestudentin (Koch). Last not least: eine lyrische Umsetzung des
Andersen-Märchens Des Kaisers neue Kleider durch Grenzensaboteur
Kammerer.
Damit waren dann auch wirklich alle Grenzen des guten Geschmacks überschritten,
und das Publikum in die kalte Berliner Nacht entlassen. Wohl bekomm's!
14.
Januar: Finanzkrisenmonopoly
Gehen Sie ins HinterZimmer und ziehen
Sie nicht 4000 Euro ein. Dies taten (wenn auch nur symbolisch) die Herren
Koch, von Aster und Hoffmann und boten Brettspielliteratur vom Feinsten ... an
einem kahlen, seines Tuchs beraubten Lesetisch, der in seiner Nacktheit die
Finanzkrise treffend symbolisierte. Und schon ging es LOS: Ein Herr wurde
von lebensgroßen Würfeln bedroht und wähnte sich in einem Spiel (Koch),
ein junger Immobilienmakler spielte Metropoly mit dem gefürchteten
Besenfegermann (Hoffmann), und in einer Radiotalkshow wurde einem satanischen
Krapfen gehuldigt (v. Aster), was zwar mit Finanzkrisenmonopoly nur am Rande
zu tun hatte, dafür aber Kochs geheimes Talent für Jingle-Imitationen
offenlegte. Zudem erwachte der Wolf im Manne, mit allen
autosexuellen Folgen, die man sich nur denken kann (natürlich ebenfalls: Koch).
Nach der Pause wurde die schwere Hypothek, die auf diesem Abend lag, um zwei
Texte unterschiedlicher Länge aufgestockt. Hoffmann gab sich bescheiden mit
einer kurzen Geschichte um Manfred, der unter einem goldenen Gullydeckel
auf dem Rosenthaler Platz haust und für Tauben wenig übrig hat. Und von Aster,
episch wie immer, spürte in einem Integrationskindergarten die Brut auf,
die mit ganz spezieller Mittagskost versorgt wird.
Ein verspielter und finanzkrisengeplagter Abend, der als gutes Omen für das Jahr
2010 gelten darf: Und wenn die ganze Welt bankrott erklärt, das HinterZimmer
hält seine Pforten offen.