DAS ARCHIV DES STIRNHIRNHINTERZIMMERS

"Das soll ein Zimmer sein? 

 Innenarchitekt Jonas Botterblom bei der Erstinspektion

Archiv 2010

Archiv 2009

 

8. Dezember: Hirnlametta

Besinnlichkeit wird seit jeher groß geschrieben im StirnhirnhinterZimmer. Nur nicht zur Weihnachtszeit! Koch, Hoffmann und von Aster - endlich wieder komplett - enthielten sich allen Weihnachtskitschs und befleißigten sich einer beinahe nüchternen, unadventösen Lesung. Darin: Der Weihnachtsmann höchstselbst wird feige erpresst (v. Aster), auf einem Weihnachtsmarkt wird an einem sinistren Stand das schönste Lametta der Welt feilgeboten (Koch), und auf einer Weide bei Bethlehem kämpfen die himmlischen Heerscharen gegen den heidnischen Hammelgott (Hoffmann). All dies untermalt von den wohl kuschligsten Weihnachtsengeln der antroposophischen Heilserwartung - Malte und Torben, die Waldorftürsteher (diesmal filmisch: Herr v. Aster).

Wem das noch nicht weihnachtlich genug war, der konnte sich nach der Pause noch mit dem gutmütigen Weihnachstwichtel Zipfel vergnügen (Hoffmann) und das dreist kommentierte Dornröschen-Märchen zu Gemüte führen (Koch). Und sich anschließend böse Träume aus Herrn  Alptraums Reisetasche für die dunklen Tage einfangen (wieder filmisch: Herr Multitalent v. Aster).
Kekse von Günni gab es obendrein. Und Geschenke. Und: Jede Menge frohes Erwarten des kommenden Stirnhirnjahrs 2012!

10. November: Mir gelinde gesagt scheißegal

Ein dezidiert lustloses Thema, das dennoch zahllose Besucher ins StirnhirnhinterZimmer lockte, die allesamt lustlos beim dezidiert gelangweilten Günni ihren Eintritt hinterlegten. Auch Christian von Aster war es scheißegal, das wieder der zweite Donnerstag im Monat war - er blieb der Veranstaltung unter fadenscheinigen Gründen fern und machte Platz für den Ersatzaster Georg Friedrich Kammerer, allseits beliebter Gast im HinterZimmer. Kammerer eröffnete auch den Reigen und verriet, wie scheißegal ihm dieser Auftritt am heutigen Abend war. Koch wiederum schleifte seinen Hauszombie Ewald auf die Buchmesse und suchte eine mechanische, kriechende Hand. Und Hoffmann ergötzte das Publikum mit einer neuen Schrulle über den Herzog von Braunschweig und Lüneburg, der in Wolfenbüttel seine erste Audienz vor Bürgern und Nachtwesen hält. Das wiederum parierte Kammerer mit einer erotischen Unschuldsfabel um Bärchen und Entchen sowie einem athestischen Selbstmordattentäter.
Nach der - gelinde gesagt - dringend notwendigen Pause wurden die Wände eines Zimmers mit Gehirn gestrichen (Kammerer), eine Zukunftsvision des erfolgreichen Piratenschriftsteller Boris B.B.B. Koch entworfen (Hoffmann), die Z-Piraten No Hopeman, Antichristian von und Bo O'Fuck auf Plünderfahrt geschickt und von einer Meerjungfrau verwirrt (Koch), und schlußendlich verprügelte Kammerer in Standup-Manier sein früheres, linksextremes Ich (Kammerer).
Ein ausgesprochen gelinder, aber vergnüglicher Abend. Da war die Abwesenheit Herrn von Asters schon fast (aber eben nur fast) egal ...

13. Oktober: Die Longlist des Dr. Phibes

... eine ominöse Herrn-von-Aster-Soloshow, über die leider nichts näheres bekannt ist.

8. September: Fällt aus

Ein verheißungsvolles Motto, das dennoch viele Zuhörer abschreckte. Die Reihen waren den Umständen entsprechend gefüllt, als das ausfallresistente Trio des StirnhirnhinterZimmers zur Tat schritt. Koch fabulierte von einem Konzert verstorbener Rockgrößen, das am Ende dann doch nicht ausfiel; Hoffmann versuchte sich an einer Ray-Bradbury-Hommage mit Seitenhieben auf den elektronischen Buchmarkt; und von Aster berichtete von einem kuscheligen Aussteigerseminar für Terroristen (mit Plüsch-Sprenggürteln).
Die Pause fiel nicht aus, sondern fand statt - und ihr folgten weitere ausfallende Texte: Ein Pechvogel verkuppelt beim Speeddating mit sieben Frauen erfolgreich seinen besten Freund (Koch), Manfred wird ungewollt zum Plakatierer für eine obskure Berlin-Mitte-Partei (Hoffmann), und in einer gotischen Kirche wird fleißig an Schatten geschnitzt - ein Romanauszug aus Herrn von Asters grandioser Neuerscheinung.
Ohne ausfallend zu werden: Ein geiler Abend im StirnhirnhinterZimmer!

11. August: Erdbeermassaker

Tiefrot und bedrohlich dämmerte dieser denkwürdige Lesebühnentag am Horizont  herauf und machte manch einen schon im Vorfeld schaudern. Vor allem natürlich Markolf Hoffmann, der sich im Zuge einer spontanen Erdbeerallergie zum Fernbleiben entschloss und die Herren Koch und von
Aster allein auf dem Selberpflückfeld stehen ließ. Die aber bückten sich alsgleich und boten dem Publikum Erdbeerprosa vom Feinsten. Etwa Herr Koch, der die Erdbeere auf eine blutige Ritualebene mit Handpuppenbonus hob, während Herr von Aster sein "Zum Selberpflücken"-Schild missverständlich zwischen Friedhof und Erdbeerfeld positionierte. Abrunden tat die erste Hälfte der Lesung eine weitere Geschichte aus der wirren Gedankenwelt des Herrn Koch, deren genauen Inhalt oder Titel wiederzugeben einem geordneten Gemüt an dieser stelle jedoch nicht möglich ist.
In der zweiten Hälfte verschmähte der Kollege Koch dann den Lorbeer der Lust und als eine Jugendgeschichte mit Sex ohne Sex. Weil die betreffende Stelle zu lang war wurde sie gekürzt, damit der Kollege von Aster mit einem Kapitel aus seinem neuen Roman den Versuch der epischen Ehrenrettung unternehmen konnte.
Alles in allem eine fruchtige Lesung. Emily Erdbeer wäre stolz gewesen.

14. Juli: Laue Stunden im Kerker

Passend zum Sommer verkroch sich das StirnhirnhinterZimmer in den Kerker, um - ohne Herrn von Aster - laue Stunden zu verbringen. Als weibliche Unterstützung sprang Dungeonmistress Kathleen Weise mit ihren blutroten Lilien unterm Arm herbei. Und folgendes wurde in den lauen Stunden im Kerker der Z-Bar zum Vortrag gebracht: Hauszombie Ewald entdeckt sich als neue Zielgruppe für die Marketingmaschine der Verlagswelt (Koch), Glücksritter streben vergeblich nach lauen Stunden in den Kerkern von Abime (Hoffmann), und im Kerker der falschzüngigen Prosecco-Gutmenschen-Empfänge sondert eine junge Dame Bosheiten ab (Weise).
Nach der Pause wurde es dann sogar noch lauer: Die Nachtschicht einer vampirischen Tankstellenbediensteten zwischen Wasserleichen-Bockwürsten und labbrigen Käsebrötchen wird durch einen Eindringling kulinarisch bereichert (Weise), Folterknecht Karl gönnt sich eine laue Stunde mit der Hexe auf seiner Streckbank (Koch), und Manfred soll für seine jüngste Flamme den Kindergeburtstag ihres Sprösslings managen - was alles andere als laue Stunden verspricht (Hoffmann).
Ein rundum lauer Abend also im Wohlfühl-Kerker des StirnhirnhinterZimmers. Da hörte das Publikum am Ende fast gerne die rostigen Riegel zuschnappen und wollte gar nicht mehr nach Hause.

19. Juni: Trollschnappkastending mit Trolltanzlärmdämmwänden

Christian von Aster nannte es ein "philosophisches Thema": Trollschnappkastending mit Trolltanzlärmdämmwänden. Boris Koch zog sich daraufhin wie Diogenes in ein Fass der Abwesenheit zurück, während Markolf Hoffmann verzweifelt versuchte, diesem thematischen Killerkeim etwas Krankes abzugewinnen.
Der Abend gestaltete sich dann aber doch recht abwechslungsreich: Über der Wohnung eines verzweifelten Romanautors tanzt kurz vor dem Abgabetermin eine Trollhorde und muss von einem Lärmdetektiv entfernt werden (v. Aster), der Zauberlehrling eines Schwarzmagiers hascht vergeblich nach einem Becher Trollkotze (Hoffmann), und ein Gruftie-Reiseunternehmen bietet Ausflüge in den Heidepark Soltau an (v. Aster).
Nach einer lautstarken Pause, gegen die auch die von Günni aufgestellten Lärmdämmwände wenig halfen, stand dann die zweite Hälfte des Abends unter den Schatten der Burg Querfurt, in der Alchemisten zwar kein Gold machen, wohl aber welches verschwinden lassen konnten (v. Aster). Und der Art Detektive Aaron Bird begibt sich in einem dystopischen London auf die Suche nach dem Triptychon eines Kunstmörders (Hoffmann). Zu dunkel für den Wonnemonat Juni? Mag sein. Im Juli warten dann
Laue Stunden im Kerker ...

12. Mai: Schönheitsoperation

Operativ ist leider nicht viel zu machen am und im StirnhirhinterZimmer. Dennoch lasen die drei Beaus der phantastischen Literatur mit chirurgischer Präzision ihre schönsten Texte vor. Im Moor lebt der unheimliche Groll und harrt seiner Opfer (v. Aster), eine Frau geht in die Rosen, um sich ewige Schönheit zu erhalten (Hoffmann), und ein genialer Schönheitschirurg modelliert die Menschen nach seinem Gusto, bis er erkennen muss, dass auch ihr Inneres geformt sein will (Koch).
Nach der Pause: Auf Burg Querfurt zelebrieren Alchemisten ihre lukrative Kunst (v. Aster), Druiden rauben sich jedes Jahr ein Kind aus den Überresten der gefallenen Reiterstadt (Hoffmann), und eine goldene Kugel plumpst in den Brunnen des Froschkönigs (Koch). Faltenfrei verabschiedete sich das Publikum in die Nacht, nicht ohne sich in der Z-Bar noch den ein oder anderen Botoxdrink zu genehmigen.

16. April: 666 - Ein höllisches Jubiläum

Bei unserem höllischen Jubiläum zum Sechsjährigen hatte tatsächlich das böse Zahlentier seine Finger im Spiel und den Kollegen Hoffmann mit den vier Plagen geschlagen. Vertreten wurde er von einem hypnotisierten Jakob Schmidt, der sich unter Bann für Markolf Hoffmann nach einer Schönheits-OP hielt. Und so beglückte er das Publikum mit epischer Fantasy und einer ganzen Reihe von Auserwählten (Schmidt), während die anderen aus dem Nähkästchen des HinterZimmers plauderten. So beklagte sich Gynny darüber, mit drei schlimmen Geschichtenerzählern ohne Schriftkenntnis geschlagen zu sein (v. Aster), und ein Manfred Manfredson macht einen Monat wenig erfreuliche Erfahrungen als Praktikant bei drei Schreibern auf wilder Recherchetour (Koch).
Nach der Pause gab es eine weitere Kostprobe astaesker Burgschreiberei, nämlich die Mysterien des Querfurter Ablasshandels (v. Aster), den Fluch eines Wintermanns, bei dem sich Blut und Schnee mischen (Schmidt), und einen Hauszombie namens Ewald, der hoffnungsvoll und vergeblich sein Glück bei den Frauen versucht (Koch). Schließlich wurde das Publikum mit vergnüglichen Reimen vom Tod im Glockenturm (von Aster) in die Nacht geschickt.

12. März: Ein Glas Haut

Einen Cocktail ganz besonderer Güte bot das StirnhirnhinterZimmer im März, inlusive Hornhaut, Schwielen und Schweiß. Auf einem Friedhof heben zwei Silikonsammler die Gräber toter Pornostarlets aus (v. Aster); in drei Miniaturen wird der kindliche Ekel vor der Haut auf dem Kakao zelebriert (Hoffmann). Und Günni erzählte vom Fußballspielen in der Kindheit, wo ein Junge mit einer ganz speziellen Krankheit immer den Torwart geben muss (Steinmeyer).
Auch in der zweiten Hälfte wurde jede Menge Haut in Gläser gefüllt, etwa von einem Studenten, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht (Koch). Auf Burg Querfurt dient ein Hexenstein als unzuverlässiger Teleporter (v. Aster). Und am Flügel klirrten die Saiten, als Markolf Hoffmann wieder einmal einige seiner Kompositionen zum Besten gab.

10. Februar: Sei du selbst

Es war der Monat der inneren Einkehr und Selbstoffenbarung. Zuviel für Christian von Aster, der sich selbst aus dem Zirkel der Sinnsuchenden ausschloß und seinen Stuhl im HinterZimmer dem versierten Gast Frank Dukowski, seines Zeichens Autor und Schauspieler, überließ. Und schon konnte die Sinnsuche beginnen: Hoffmann referierte über ein Geheimnis aus der Kulturgeschichte des Suizids, Dukowski erzählte eine hinreißende Strandromanze vom Nöck, und Koch schickte einen Selbstsuchenden durch diverse Viehställe und Therapiezentren. Außerdem wurde ein Klassiker des Kinderfernsehens ("Sagt mal, wo kommt ihr denn her?") entmystifiziert (Dukowski).
Nach der Pause: Der Reiter Tenerik lädt die Herren der Elemente zu einer Riesenhochzeit (Hoffmann), der verkannte Poet Waldi Ruschke hascht in zoophiler Absicht einer Möwe nach und wird zum tragischen Jonas (Dukowksi), und die Anti-Social-Web-Seite In-Your-Facebook.com führt zum Untergang der abendländischen Zivilisation (Koch). Wenn das mal nicht genug Selbsterfahrung für einen Abend war ...

13. Januar: Mein schönstes Ferienerlebnis

Endlich wieder Ferien! Für die Kinder eines bayrischen Dorfs hieß das, sich auf Schatzsuche zu begeben und das Geheimnis des alten Ringlers zu lüften (Koch). Ein weiteres Geschwistertrio wurde gezwungen, die Sommerferien bei dem Mann zu verbringen, der vorgab, Onkel Hauke zu sein (Hoffmann). Und auch nach Querfurt führte manche Reise - da wurde mit Tintenfässern geworfen und vom Teufel höchstselbst ein französischer Wein verkostet (v. Aster).
Auch der zweite Teil des Abends war geprägt von Urlaubsstimmung: Nach Island verschlug es eine Studentin, um einen Kommilitonen mit Trollblut zu lieben (Hoffmann), auf einer Insel wird die Dunkelheit verehrt und kreativ von der ansässigen Priesterschaft interpretiert (Koch), und in Querfurt wurde wurde Tod vom Höfling Honigbuckel ausgetrickst, während Bruns Esel an den Botengängen der Querfurter Viecher verzweifelt (v. Aster). Kurz: ein literarischer Urlaub vom Alltäglichen und ein erholsamer Start in das Stirnhirnjahr 2011.