DAS ARCHIV DES
STIRNHIRNHINTERZIMMERS
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"Das soll
ein Zimmer sein?
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8.
Dezember: Hirnlametta
Besinnlichkeit
wird seit jeher groß geschrieben im StirnhirnhinterZimmer. Nur nicht zur
Weihnachtszeit! Koch, Hoffmann und von Aster - endlich wieder komplett -
enthielten sich allen Weihnachtskitschs und befleißigten sich einer beinahe
nüchternen, unadventösen Lesung. Darin: Der Weihnachtsmann höchstselbst
wird feige erpresst (v. Aster), auf einem Weihnachtsmarkt wird an einem
sinistren Stand das schönste Lametta der Welt feilgeboten (Koch), und auf
einer Weide bei Bethlehem kämpfen die himmlischen Heerscharen gegen den
heidnischen Hammelgott (Hoffmann). All dies untermalt von den wohl
kuschligsten Weihnachtsengeln der antroposophischen Heilserwartung - Malte
und Torben, die Waldorftürsteher (diesmal filmisch: Herr v. Aster).
Wem das
noch nicht weihnachtlich genug war, der konnte sich nach der Pause noch mit dem
gutmütigen Weihnachstwichtel Zipfel vergnügen (Hoffmann) und das dreist
kommentierte Dornröschen-Märchen zu Gemüte führen (Koch). Und sich
anschließend böse Träume aus Herrn Alptraums Reisetasche für die
dunklen Tage einfangen (wieder filmisch: Herr Multitalent v. Aster).
Kekse von Günni gab es obendrein. Und Geschenke. Und: Jede Menge frohes Erwarten
des kommenden Stirnhirnjahrs 2012!
10.
November: Mir gelinde gesagt scheißegal
Ein
dezidiert lustloses Thema, das dennoch zahllose Besucher ins
StirnhirnhinterZimmer lockte, die allesamt lustlos beim dezidiert gelangweilten Günni
ihren Eintritt
hinterlegten. Auch Christian von Aster war es scheißegal, das wieder der zweite
Donnerstag im Monat war - er blieb der Veranstaltung unter fadenscheinigen
Gründen fern und machte Platz für den Ersatzaster Georg Friedrich
Kammerer, allseits beliebter Gast im HinterZimmer. Kammerer eröffnete auch den
Reigen und verriet, wie scheißegal ihm dieser Auftritt am heutigen Abend
war. Koch wiederum schleifte seinen Hauszombie Ewald auf die Buchmesse
und suchte eine mechanische, kriechende Hand. Und Hoffmann ergötzte das Publikum
mit einer neuen Schrulle über den Herzog von Braunschweig und Lüneburg, der in
Wolfenbüttel seine erste Audienz vor Bürgern und Nachtwesen hält. Das
wiederum parierte Kammerer mit einer erotischen Unschuldsfabel um Bärchen und
Entchen sowie einem athestischen Selbstmordattentäter.
Nach der - gelinde gesagt - dringend notwendigen Pause wurden die Wände eines
Zimmers mit Gehirn gestrichen (Kammerer), eine Zukunftsvision des
erfolgreichen Piratenschriftsteller Boris B.B.B. Koch entworfen
(Hoffmann), die Z-Piraten No Hopeman, Antichristian von und Bo O'Fuck auf
Plünderfahrt geschickt und von einer Meerjungfrau verwirrt (Koch), und
schlußendlich verprügelte Kammerer in Standup-Manier sein früheres,
linksextremes Ich (Kammerer).
Ein ausgesprochen gelinder, aber vergnüglicher Abend. Da war die Abwesenheit
Herrn von Asters schon fast (aber eben nur fast) egal ...
13.
Oktober: Die Longlist des Dr. Phibes
... eine ominöse Herrn-von-Aster-Soloshow, über die leider nichts näheres bekannt ist.
8.
September: Fällt aus
Ein
verheißungsvolles Motto, das dennoch viele Zuhörer abschreckte. Die Reihen waren
den Umständen entsprechend gefüllt, als das ausfallresistente Trio des
StirnhirnhinterZimmers zur Tat schritt. Koch fabulierte von einem Konzert
verstorbener Rockgrößen, das am Ende dann doch nicht ausfiel; Hoffmann versuchte
sich an einer Ray-Bradbury-Hommage mit Seitenhieben auf den elektronischen
Buchmarkt; und von Aster berichtete von einem kuscheligen Aussteigerseminar
für Terroristen (mit Plüsch-Sprenggürteln).
Die Pause fiel nicht aus, sondern fand statt - und ihr folgten weitere
ausfallende Texte: Ein Pechvogel verkuppelt beim Speeddating mit sieben
Frauen erfolgreich seinen besten Freund (Koch), Manfred wird ungewollt zum
Plakatierer für eine obskure Berlin-Mitte-Partei (Hoffmann), und in einer
gotischen Kirche wird fleißig an Schatten geschnitzt - ein Romanauszug
aus Herrn von Asters grandioser Neuerscheinung.
Ohne ausfallend zu werden: Ein geiler Abend im StirnhirnhinterZimmer!
11.
August: Erdbeermassaker
Tiefrot
und bedrohlich dämmerte dieser denkwürdige Lesebühnentag am Horizont herauf und
machte manch einen schon im Vorfeld schaudern. Vor allem natürlich Markolf
Hoffmann, der sich im Zuge einer spontanen Erdbeerallergie zum Fernbleiben
entschloss und die Herren Koch und von
Aster allein auf dem Selberpflückfeld stehen ließ. Die aber bückten sich
alsgleich und boten dem Publikum Erdbeerprosa vom Feinsten. Etwa Herr Koch, der
die Erdbeere auf eine blutige Ritualebene mit Handpuppenbonus hob,
während Herr von Aster sein "Zum Selberpflücken"-Schild missverständlich
zwischen Friedhof und Erdbeerfeld positionierte. Abrunden tat die erste
Hälfte der Lesung eine weitere Geschichte aus der wirren Gedankenwelt des
Herrn Koch, deren genauen Inhalt oder Titel wiederzugeben einem geordneten Gemüt
an dieser stelle jedoch nicht möglich ist.
In der zweiten Hälfte verschmähte der Kollege Koch dann den Lorbeer der Lust und
als eine Jugendgeschichte mit Sex ohne Sex. Weil die betreffende Stelle
zu lang war wurde sie gekürzt, damit der Kollege von Aster mit einem Kapitel aus
seinem neuen Roman den Versuch der epischen Ehrenrettung unternehmen
konnte.
Alles in allem eine fruchtige Lesung. Emily Erdbeer wäre stolz gewesen.
14.
Juli: Laue Stunden im Kerker
Passend
zum Sommer verkroch sich das StirnhirnhinterZimmer in den Kerker, um - ohne
Herrn von Aster - laue Stunden zu verbringen. Als weibliche Unterstützung sprang
Dungeonmistress Kathleen Weise mit ihren blutroten Lilien unterm Arm
herbei. Und folgendes wurde in den lauen Stunden im Kerker der Z-Bar zum Vortrag
gebracht: Hauszombie Ewald entdeckt sich als neue Zielgruppe für die
Marketingmaschine der Verlagswelt (Koch), Glücksritter streben vergeblich nach
lauen Stunden in den Kerkern von Abime (Hoffmann), und im Kerker der
falschzüngigen Prosecco-Gutmenschen-Empfänge sondert eine junge Dame
Bosheiten ab (Weise).
Nach der Pause wurde es dann sogar noch lauer: Die Nachtschicht einer
vampirischen Tankstellenbediensteten zwischen Wasserleichen-Bockwürsten
und labbrigen Käsebrötchen wird durch einen Eindringling kulinarisch bereichert
(Weise), Folterknecht Karl gönnt sich eine laue Stunde mit der Hexe auf
seiner Streckbank (Koch), und Manfred soll für seine jüngste Flamme den
Kindergeburtstag ihres Sprösslings managen - was alles andere als laue Stunden
verspricht (Hoffmann).
Ein rundum lauer Abend also im Wohlfühl-Kerker des StirnhirnhinterZimmers. Da
hörte das Publikum am Ende fast gerne die rostigen Riegel zuschnappen und wollte
gar nicht mehr nach Hause.
19.
Juni: Trollschnappkastending mit Trolltanzlärmdämmwänden
Christian
von Aster nannte es ein "philosophisches Thema": Trollschnappkastending mit
Trolltanzlärmdämmwänden. Boris Koch zog sich daraufhin wie Diogenes in ein Fass
der Abwesenheit zurück, während Markolf Hoffmann verzweifelt versuchte, diesem
thematischen Killerkeim etwas Krankes abzugewinnen.
Der Abend gestaltete sich dann aber doch recht abwechslungsreich: Über der
Wohnung eines verzweifelten Romanautors tanzt kurz vor dem Abgabetermin eine
Trollhorde und muss von einem Lärmdetektiv entfernt werden (v. Aster),
der Zauberlehrling eines Schwarzmagiers hascht vergeblich nach einem Becher
Trollkotze (Hoffmann), und ein Gruftie-Reiseunternehmen bietet
Ausflüge in den Heidepark Soltau an (v. Aster).
Nach einer lautstarken Pause, gegen die auch die von Günni aufgestellten
Lärmdämmwände wenig halfen, stand dann die zweite Hälfte des Abends unter den
Schatten der Burg Querfurt, in der Alchemisten zwar kein Gold
machen, wohl aber welches verschwinden lassen konnten (v. Aster). Und der Art
Detektive Aaron Bird begibt sich in einem dystopischen London auf die Suche nach
dem Triptychon eines Kunstmörders (Hoffmann). Zu dunkel für den
Wonnemonat Juni? Mag sein. Im Juli warten dann
Laue Stunden im Kerker
...
12.
Mai: Schönheitsoperation
Operativ
ist leider nicht viel zu machen am und im StirnhirhinterZimmer. Dennoch lasen
die drei Beaus der phantastischen Literatur mit chirurgischer Präzision ihre
schönsten Texte vor. Im Moor lebt der unheimliche Groll und harrt seiner Opfer (v.
Aster), eine Frau geht in die Rosen, um sich ewige Schönheit zu erhalten
(Hoffmann), und ein genialer Schönheitschirurg modelliert die Menschen nach
seinem Gusto, bis er erkennen muss, dass auch ihr Inneres geformt sein will
(Koch).
Nach der Pause: Auf Burg Querfurt zelebrieren Alchemisten ihre lukrative Kunst
(v. Aster), Druiden rauben sich jedes Jahr ein Kind aus den Überresten
der gefallenen Reiterstadt (Hoffmann), und eine goldene Kugel plumpst in den
Brunnen des Froschkönigs (Koch). Faltenfrei verabschiedete sich das
Publikum in die Nacht, nicht ohne sich in der Z-Bar noch den ein oder anderen
Botoxdrink zu genehmigen.
16.
April: 666 - Ein höllisches Jubiläum
Bei
unserem höllischen Jubiläum zum Sechsjährigen hatte tatsächlich das böse
Zahlentier seine Finger im Spiel und den Kollegen Hoffmann mit den vier Plagen
geschlagen. Vertreten wurde er von einem hypnotisierten Jakob Schmidt, der sich
unter Bann für Markolf Hoffmann nach einer Schönheits-OP hielt. Und so beglückte
er das Publikum mit epischer Fantasy und einer ganzen Reihe von Auserwählten
(Schmidt), während die anderen aus dem Nähkästchen des HinterZimmers plauderten.
So beklagte sich Gynny darüber, mit drei schlimmen Geschichtenerzählern ohne
Schriftkenntnis geschlagen zu sein (v. Aster), und ein Manfred Manfredson
macht einen Monat wenig erfreuliche Erfahrungen als Praktikant bei drei
Schreibern auf wilder Recherchetour (Koch).
Nach der Pause gab es eine weitere Kostprobe astaesker Burgschreiberei, nämlich
die Mysterien des Querfurter Ablasshandels (v. Aster), den Fluch eines
Wintermanns, bei dem sich Blut und Schnee mischen (Schmidt), und einen
Hauszombie namens Ewald, der hoffnungsvoll und vergeblich sein Glück bei den
Frauen versucht (Koch). Schließlich wurde das Publikum mit vergnüglichen Reimen
vom Tod im Glockenturm (von Aster) in die Nacht geschickt.
12.
März: Ein Glas Haut
Einen
Cocktail ganz besonderer Güte bot das StirnhirnhinterZimmer im März, inlusive
Hornhaut, Schwielen und Schweiß. Auf einem Friedhof heben zwei Silikonsammler
die Gräber toter Pornostarlets aus (v. Aster); in drei Miniaturen wird der
kindliche Ekel vor der Haut auf dem Kakao zelebriert (Hoffmann). Und Günni
erzählte vom Fußballspielen in der Kindheit, wo ein Junge mit einer ganz
speziellen Krankheit immer den Torwart geben muss (Steinmeyer).
Auch in der zweiten Hälfte wurde jede Menge Haut in Gläser gefüllt, etwa von
einem Studenten, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht (Koch). Auf Burg Querfurt
dient ein Hexenstein als unzuverlässiger Teleporter (v. Aster). Und am Flügel
klirrten die Saiten, als Markolf Hoffmann wieder einmal einige seiner
Kompositionen zum Besten gab.
10.
Februar: Sei du selbst
Es war
der Monat der inneren Einkehr und Selbstoffenbarung. Zuviel für Christian von
Aster, der sich selbst aus dem Zirkel der Sinnsuchenden ausschloß und seinen
Stuhl im HinterZimmer dem versierten Gast Frank Dukowski, seines Zeichens
Autor und Schauspieler, überließ. Und schon konnte die Sinnsuche beginnen:
Hoffmann referierte über ein Geheimnis aus der Kulturgeschichte des
Suizids, Dukowski erzählte eine hinreißende Strandromanze vom Nöck, und
Koch schickte einen Selbstsuchenden durch diverse Viehställe und
Therapiezentren. Außerdem wurde ein Klassiker des Kinderfernsehens ("Sagt
mal, wo kommt ihr denn her?") entmystifiziert (Dukowski).
Nach der Pause: Der Reiter Tenerik lädt die Herren der Elemente zu einer
Riesenhochzeit (Hoffmann), der verkannte Poet Waldi Ruschke hascht in
zoophiler Absicht einer Möwe nach und wird zum tragischen Jonas (Dukowksi), und
die Anti-Social-Web-Seite In-Your-Facebook.com führt zum Untergang der
abendländischen Zivilisation (Koch). Wenn das mal nicht genug Selbsterfahrung
für einen Abend war ...
13.
Januar: Mein schönstes Ferienerlebnis
Endlich
wieder Ferien! Für die Kinder eines bayrischen Dorfs hieß das, sich auf
Schatzsuche zu begeben und das Geheimnis des alten Ringlers zu lüften
(Koch). Ein weiteres Geschwistertrio wurde gezwungen, die Sommerferien bei dem
Mann zu verbringen, der vorgab, Onkel Hauke zu sein (Hoffmann). Und auch
nach Querfurt führte manche Reise - da wurde mit Tintenfässern
geworfen und vom Teufel höchstselbst ein französischer Wein verkostet (v.
Aster).
Auch der zweite Teil des Abends war geprägt von Urlaubsstimmung: Nach Island
verschlug es eine Studentin, um einen Kommilitonen mit Trollblut zu
lieben (Hoffmann), auf einer Insel wird die Dunkelheit verehrt und
kreativ von der ansässigen Priesterschaft interpretiert (Koch), und in Querfurt
wurde wurde Tod vom Höfling Honigbuckel ausgetrickst, während Bruns
Esel an den Botengängen der Querfurter Viecher verzweifelt (v. Aster). Kurz:
ein literarischer Urlaub vom Alltäglichen und ein erholsamer Start in das
Stirnhirnjahr 2011.