ARCHIV 2007

"Dann trat ein durchsichtiges Sekret aus der Öffnung.
Es schmeckte nach Limonen und leuchtete im Dunkeln."
 
Protokoll einer Stirnhirnoperation am Patienten Nr. 476, Spital Neuschwanstein


Foto: Nadja Ritter

13. Dezember: Schöne Bescherung

Die letzte Stirnhirnlesung des Jahres sollte ganz im Zeichen des Besinnlichen stehen. Da Christian von Aster von höheren Mächten abberufen wurde, sprang - um die Dreifaltigkeit herzustellen -  Simon Weinert als Gast in die Bresche, um Gagaistisches zum Besten zu geben. Und so nahm der Weihnachts-Gottesdienst seinen Lauf: in einem überfüllten Kaufhaus stieß der deutsche Jude Elias Stern bei seiner Suche nach einem Chanukka-Leuchter auf Unverständnis (Weinert), ein rostige Schere sorgte in einem Großraumbüro für Scherereien (Hoffmann), und Hauszombie Ewald steckte als verwesender Weihnachtsmann im Kamin fest (Koch). Dazwischen die Lesung der Schrift: Weinert trug aus dem bislang unbekannten UFOngelium vor. Der festliche Rahmen wurde durch Z-Bar-Plätzchen und verpackte Gaben an die Gäste unterstützt.
In Teil 2: weitere Schriftlesungen aus dem UFOngelium und gagaistische Weihnachtslyrik (Weinert), die Geburt Jesu, frei erzählt nach den Evangelisten Lukas, Markus und Boris (Koch), und Gott ließ Manna auf die Köpfe der darbenden Israeliter herabregnen (Hoffmann). Zu guter letzt hörte das Publikum von einer Parallelwelt, in der Fantasyromane nicht geschrieben, sondern gekocht werden (Koch).
Wenn das mal keine schöne Bescherung war. Unbesinnlich geht es dann im nächsten Jahr weiter - mit einem knallharten Bodycount.

8. November: Der Schrauber des Herrn

Wieder mal ein gänzlich sinnfreies Thema, das es mit Inhalt zu füllen galt. So wurden denn auch allerlei geschraubte Texte zum Besten gegeben: Im alten Rom schraubten die Schrauber des Herrn Bronzephalli von Götterstatuen (von Aster), ein Heizungsinstallateur reparierte mit seinem Akkuschrauber widerspenstige Damen (Hoffmann), und ein vermutlich gottgesandter Schrauber wurde zum Mittelpunkt einer Medienkampagne (Koch).
Nach der verdienten Brotzeit schraubten die drei Worthandwerker weiter an ihren Texten: in einem Feld trat ein Troß beschränkter Elfen und Zwerge gegen die ganz anderen "Monos" an (Koch), die Heinzelmännchen von Neukölln taten ein gutes Werk (Hoffmann), und in den Geheimgängen der Pyramide von Abu Abu herrschte Forscherstau (von Aster).
Auch wenn die Texte den Eindruck hinterließen, daß bei den Vortragenden die eine oder andere Schraube locker saß, applaudierte das Publikum zum Schluß wohlwollend.

11. Oktober: Helmpflicht
 

Strenge Helmpflicht bestand bei diesem StirnhirnhinterZimmer, was Boris Koch gleich dazu veranlaßte, die Rübe einzuziehen und der ganzen Veranstaltung fernzubleiben. Zum Glück hielt ein weiterer Gast seinen Kopf dafür hin: Georg Kammerer, Neopunk, Filmstudent und badischer Exilant. Der Helmpflicht war er natürlich, wie auch der Rest der literarischen Abrißtruppe, nachgekommen.

Und so hörte das Publikum von einer Tarnhelmtruppe, die eine gefangene Kameradin befreien will (Hoffmann), von der Zwangsbehelmung eines Berliner Vermieters (Kammerer), einem einbeinigen Spielsoldaten, der ein ungutes Eigenleben entwickelt (v. Aster) und - ganz helmlos - von den Impressionen aus dem Karlsruher Nachtleben (Kammerer).
Nach der Pause wurden die Helme abgelegt, und zugleich alle Scheuklappen. Kammerer bot vampirische Poesie und moralische Verwirrungen an Bartresen. Von Aster verschriftlichte die Alpträume eines werdenden Schriftstellers, dessen Buch schon im Vorfeld bekannt wird, und gab ein Märchen über das Geschichtenerzählen selbst zum Besten. Und Hoffmann ließ einen wackeren Handwerker dämonische Umtriebe erkunden - Frank Zart, den Automatenwart.
Der freilich wäre auch ein guter Kandidat für das Novemberthema Der Schrauber des Herrn gewesen. Sei's drum: die Helme haben sich bewährt. Sicherheit geht vor.

13. September: Hölle auf Rädern

Eine Publikumsabstimmung bescherte uns ein verlustreiches Thema für den September, und so war von der hinterzimmerlichen Stammbesetzung nur der Kollege Koch anwesend, der von Kathleen Weise höllisch unterstützt wurde. Nach einem Brief von Christian aus der Hölle (Koch), der von einer Radtour der recherchierenden HinterZimmerer von Aster und Hoffmann durch die Hölle berichtete, wurde es mystisch und kalt auf der tödlichen Kutschfahrt Hinter dem Winter (Weise), fand ein Ex-Zivi einen ganz normalen Studentenjob beim Fahrservice Hölle auf Rädern (Koch), und übernahm eine junge Frau den kriminellen Job ihres Vaters mit fliegenden Viechern (Weise).
Nach der üblichen Pause wurde von einem prophezeiten Angriff der mysteriösen Anderen gewarnt (Koch & Weise), und Koch sah sich gezwungen, einen weiteren Brief eines treulosen Stirnhirnkameraden aus der Ferne vorzulesen, einem Reisebericht aus dem bizarren Hy-Brasil (Hoffmann).
Ein heißer Abend mit zwischenzeitlichem Wintereinbruch, der die Hölle in Bewegung setzte, und dabei niemanden gerädert zurückließ.

9. August: Wer ist der zweite Elternteil von Godzillas Sohn?

Da hat uns Kollege Meißner ja etwas eingebrockt ... die drei Hobbypaläontologen des StirnhirnhinterZimmers mußten schon tief in die Trickkiste greifen, um das Thema der Augustlesung zu umkreisen. Hoffmann las aus dem noch unverfilmten Drehbuch Godzillas Eltern versus Tyrannosaurus Hyperrex, von Aster aus den Memoiren des ehemaligen Hausmeisters der Toho Studios, und Koch schickte drei todesmutige Agenten zu einer geheime Mutantenfabrik in den Iran. Anschließend eilte fachlicher Rat in Gestalt des Gastes Thomas Wind alias Commander Schmackos zur Hilfe, der das Rätsel um Godzillas Sohn filmhistorisch klärte.
Thomas Wind war es auch, der anschließend eine Kurzfassung des Godzilla-Films Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn präsentierte. Noch ganz unter den visuellen Eindrücken dieses Klassikers stehend lauschte das Publikum dann Hoffmanns nunmehr dritter Geschichte über den Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, der in einer Salzsole ein Saurierskelett entdeckt. Und von Aster beschloß den Abend mit einer Zwergenprügelei in dunklen Schächten.
Ein fulminanter Ausflug in die Welt der japanischen Filmgeschichte, die uns allen titanenhaft in Erinnerung bleiben wird.

12. Juli: Beichtstuhl-Wildcard

So mannigfaltig ihre Sünden, so ehrlich ihre literarischen Beichten: die Stirnhirnautoren, unterstützt von der Hiob-Wildcard Tobias O. Meißner, pilgerten pflichtbewußt zur Z-Bar-Kirche, wo Pater Günni in Soutane bereits den großen Hinterzimmer-Beichtstuhl eröffnet hatte. Und so wurde gebeichtet, was das Zeug hielt: eine mehrstöckige Beichtfabrik entwickelt sich zur raffinierten Geschäftsidee (v. Aster), ein Pfarrer muß im Halbdunkel die gräßliche Beichte eines Kindsmörders anhören (Meißner), und in einem gotischen Dom wird der Richtungskampf des mafiösen Kartells ausgetragen (Hoffmann).
Nach der Pause: Boris Koch legte die ganz persönliche Beichte einer geplagten Autorenseele ab, Tobias O. Meißner trug eine religiös gefärbte Passage aus seinem Roman Die dunkle Quelle vor, und Christian von Aster schloß mit einer eher weltlichen Werbeansage für den neuen Erlebnispark Workworld, wo auch SIE  einen Job finden. Geläutert trat das Publikum den Heimweg an - und Pater Günni schloß geräuschlos das vergitterte Türchen der Z-Bar. Ein segensreicher Abend, der in seliger Erinnerung bleiben wird.

14. Juni: Mängelexemplar

An Hitze herrschte wahrlich kein Mangel bei dieser sechsten StirnhirnhinterZimmerlesung des Jahres. Schwül und heiß war die Nacht, und im Schweiße ihres Angesichts fanden sich die drei Stirnhirnautoren und ein reduziertes, aber tapferes Publikum in der Z-Bar ein, um sich gemeinsam der Mängel des Lebens bewußt zu werden. Koch sann über die Mängel des Rechtssystems und die Demonstrantenkrankheit nach; von Aster stellte in seinem arabischen Märchen einen Mangel an absoluter Stille fest und ließ seine Helden nach ebendieser suchen; Hoffmann erzählte von einer einsamen Werbetexterin, die frühmorgens erfährt, nur ein Mängelexemplar zu sein. Also: hochdramatische und tragische Geschichten in dieser ersten Hälfte des HinterZimmers.
Aber auch nach der Pause ging es tragisch weiter. In einem multimedialen Spektakel präsentierten die drei HinterZimmerer Herrn von Asters Ballade um die Mängelexemplare aus Dunkeldingens Düsterschau: Koch am Diaprojektor, Hoffmann am Z-Bar-Flügel, und von Aster (mit authentisch-kratziger Stimme) als Vortragender ... so gerüstet wurden die traurigen Helden einer Freakshow auf die Reise durch diverse Dörfer geschickt. Ein fulminanter Spaß! Koch verabschiedete zu guter Letzt das Publikum mit einem expressionistischen Drachentötertext in die schwülwarme Nacht. Fazit: An guter Stimmung herrschte wahrlich kein Mangel. So gerüstet kann es dann im Juli ab in den Beichtstuhl gehen.

27. Mai: Das StirnhirnhinterZimmer in Leipzig

Nein, mit dem Wave Gotik Treffen hatte das zweite Gastspiel des StirnhirnhinterZimmers in der sächsischen Metropole rein gar nichts zu tun. Völliger Zufall, daß sich Koch, von Aster und Hoffmann ausgerechnet am Pfingstsonntag im HinterZimmer von McCormack's Ballroom (Kurt-Eisner-Str. 43) einfanden, um zusammen mit gleich drei Gästen den Keim der Phantastik auch in Leipzig einzupflanzen.
Wieder einmal wurde ein dämonisches Butterbrot geschmiert (v. Aster), einem schüchternen Jungen angedroht, als Trollfrühstück zu enden (Koch), dem Winddämon Pazuzu ein Opfer dargebracht (Hoffmann), deutsche Piraten in Genderkonflikte verwickelt (v. Aster), eine achte Todsünde begangen und wieder verworfen (Koch) sowie eine Einhornherde von der tückischen Ziegenmeyer-Hornseuche befallen (Hoffmann mit Unterstützung seiner Kollegen).
Und das war längst noch nicht alles: besagter Andé Ziegenmeyer berichtete von der voranschreitenden Verzwirbelung der Welt, spielte dem Schimmel ein Requiem und lobhudelte einem Stachelschwein, das zum Glück keine Herpeserkrankungen aufwies. Franziska Faust überschwemmte den Saal mit erlesenen Fluten der Finsternis, die in ihren Texten "Weltraum, der", "Kein Licht" und "Der andere Schlaf" üppig wogten; und der finale Gast Starkall wagte die Behauptung, daß Zeit eine kurze Reise ist, zumindest für aristokratisch-gelangweilte Vampire, die sich von ein paar Wirren oder Weltkriegen nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Ein ungewöhnlicher Abend vor ungewöhnlicher Kulisse, mit einem bezaubernden Publikum und - die Krönung aller Stirnhirnlichkeit - dem überraschenden Erscheinen einer Delegation unser Berliner Stammgäste.
Wir waren gerührt ...

10. Mai: Mundraub

Wer glaubte, bei einem so halbseidenen Thema umsonst Cocktails an der Z-Bar-Theke schnorren zu können, sollte sich geirrt haben. Auch die drei Mundräuber Koch, Hoffmann und von Aster ließen sich nicht die Butter vom Brot nehmen und lasen Erbauliches, Appetitliches und Skurriles. Koch erzählte von einer Bande Mundräuber und einem sprechenden Kaminmund, der unaufhörlich daherplappert; von Aster präsentierte sich als Stirnhirnkoch mit dem Rezept des schmackhaften Panis Butyris Daemonicus, und Hoffmann schilderte die Nöte eines Mundschenks, der in den Konflikt zwischen zwei konkurrierende Weininseln hineingezogen wird.
Nach der Pause wurde es episch: von Aster entdeckte auf einer Müllkippe in Sao Paulo das Herz der Sprache, welches für Menschen und Götter gleichermaßen pocht. Hoffmann kehrte dann auf den Boden der Tatsachen zurück und berichtete vom Alltag eines Junglehrers am Ernst-Abbe-Gymnasium in Neukölln, wo zwar keine Münder geraubt werden, aber MP3-Player. Ohne den Mund zu voll zu nehmen: ein köstlicher Abend.

12. April: Piraten
 

Fletcher Christian, Schiffs-Koch Bo und Marc No Hope-Man warfen pünktlich um halb neun das Anker aus. Wilde Säbelfechtereien unterblieben, da sich die drei Z-Bar-Piraten rasch auf ein faires Verfahren einigten, um den ersten Maat zu bestimmen: Streichholzziehen! "Den längsten" hatte in diesem Fall Christian von Aster, dessen Geschichte Piratenromantik und Gendertheorie in erstaunlicher Weise verknüpfte. Fazit: Es kommt nicht darauf an, was der Pirat unter der Hose hat, sondern wieviel Rum er verträgt.

Dunkler ward es dann, als Markolf Hoffmann seine trostlose Strandpiratengeschichte verlas: Mord, Hunger und schiere Verzweiflung in einem Fischerdorf. Boris Koch riß das Ruder dann wieder herum und ließ ein Geisterschiff an der A8 vorbeidümpeln, kräftige Asphaltwellen vor sich hertreibend. Und Christian von Aster berichtete, welcher weißbärtige Mentor eigentlich den Piraten ihr schmutziges Lachen beibringt.
Nach der Pause - an der Bar schenkte die entzückende Piratenbraut Anna diverse Stirnhirnweichklopfer aus - wurde zunächst auf Produkpiraterie in Sachen StirnhirnhinterZimmer hingewiesen (Hoffmann), um dann die Z-Bar-Piratenbrut, die sich an der Schwärze zwischen den Sternen orientiert, auf das Publikum loszulassen (Koch). Ein neugeborener Knabe kam tätowiert zur Welt (von Aster), ein unbedarfter Bonesitter hütete das Skelett seiner Liebsten (Hoffmann), und die drei Träume des Piraten vom Tod sorgten für balladesken Ausklang (von Aster). Eine freibeuterische Großleistung, ohne Frage. Die Gäste strichen am Ende zufrieden die Segel.

8. März: ZWEI - Die Jubiläumslesung

Manchmal genügt auch der geringste Anlaß, um sich ausgiebig feiern zu lassen. Dementsprechend opulent fiel auch das ZWEITE Jubiläum des StirnhirnhinterZimmers aus. Die ZWEI exquisiten Ex-Gäste Simon Weinert und Johannes Kretschmann fungierten als Laudatoren und lobhudelten ausgiebig das Werk der drei Hinterzimmerer Koch, Hoffmann und von Aster. Mit Tränen in den Augen traten die drei Verbalakrobaten dann vor das Publikum bzw. hinter das große Buch des Lebens und lasen aus diesem - mit verteilten Rollen - die Geschichte ihrer selbst, beziehungsweise die eines knallharten Lesebühnencontests in Würzburg (Hoffmann). Unterstützend sprang dabei in der Sprechrolle eines alten Stadtschreibers Simon Weinert in die Bresche. Anschließend verwandelten sich die HinterZimmerer in drei Zweifel (von Aster): den akademischen, den intuitiven und den ethischen. Während Luftschlangen flogen und Kuchen angeschnitten wurden, feierte das Publikum in die Pause hinein.
Aber auch in Teil ZWEI gab es vieles zu feiern. Etwa Boris Kochs Märchen über Peterchen, der gegen die Bipolarität seiner Welt ins Felde zieht. Oder von Asters fulminanten Drachen, der mit seinen Exkrementen ein ganzes Königreich zu Fall bringt. Oder den doppelten Otto aus der Feder von Markolf Hoffmann. Sogar ZWEI Zugaben gab es: eine Osterglosse um einen Hauszombie (Koch) und einen fipsasmussenesken Witz (von Aster). Es soll ja nicht heißen, im StirnhirnhinterZimmer gäbe es nichts zu lachen.
Unser Dank gilt den ZWEI wunderbaren Laudatoren für ihr kurzfristiges Einspringen und den so zahlreich erschienenen Gästen. Zweifellos ein legendärer Abend, der in die Annalen der Stirnhirnliteratur eingehen wird. Und das gleich zweimal.

8. Februar: Schlüsselkind

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit ... die drei Schlüsselvergesser Hoffmann, Koch und Aster luden zur unverschlüsselten Problemlesung, unterstützt diesmal vom ersten Stinrhirngast 2007: dem Berufszyniker Michael Thumstädter. Bevor er diese Schubladisierung zurückweisen konnte, las allerdings Hoffmann das ernste Gedicht Schlüsselkind vor, untermalt vom rhythmischen Schlüsselgerassel seiner Kollegen. Boris Koch gab der Metapher weiten Raum und ließ in seinem Beitrag über eine Schlüsselzucht mehrere Hausschlüssel miteinander kopulieren. Thumstädter raunte vom Montagmorgen eines Hedge-Fond-Spekulanten, dem im Fluß der Weltwirtschaft eine Schlüsselstellung zukommt. Von Aster berichtete von einem gemeinen Schultütenraub im Grundschulmilieu in seiner Sozialstudie Dietrich - Die Geschichte eines Nachschlüsselkinds. Und Hoffmann erzählte im Märchen von der vergeblichen Liebesmüh von einem Schlüssel und seinem Elefantenanhänger, aka Schlüsselchen und Rüsselchen.
Nach der Pause ging es ebenso unchiffriert weiter. Eine Kanniballade als Gleichnis für allgegenwärtige Ressentiments (von Aster) wechselte sich mit der Vision eines zukünftigen Berlins (Koch); die Qualen eines Lohnschreibers erotischer Groschenromane (Thumstädter) verschmolzen mit dem garstigen, unspezifischen Hautspiel (Hoffmann). Abgeschlossen wurde der Abend mit einer Web 2.0-Persiflage über die hochinteressante Seite web_yoo.org
(Thumstädter/Hoffmann). Und von Aster öffnete die Tore des Freibeutertums und berichtete vom Sauf-und-Hurerei-Wettstreit zwischen einem Piraten und einem Bischof. Das Publikum auf jeden Fall hatte sichtlich Freude und klapperte mit zahlreichen Schlüsseln Beifall.

12. Januar: Ungarn

Herzlich willkommen zum ersten StirnhirnhinterZimmer 2007, und zugleich zum ersten transnational-global-europäischen StirnhirnhinterZimmer. Leicht verspätet begann die Lesung (Herr Hoffmann wurde an der ungarischen Grenze aufgehalten), um dann gleich mit Günni Steinmeyers fragwürdiger Charakterisierung des Landes Ungarn in die Vollen zu gehen. Christian von Aster gab eine ganz eigene Variante eines ungarischen Märchens zum Besten, in dem es unter um einen Rätselmeister und geheimnisvolle Brunnen ging. Boris Koch wiederum ließ in seiner Vision Kein Ungarn das osteuropäische Land spektakulär verschwinden - zurück blieb ein tiefer Krater, eine ungarische Exilregierung in Las Vegas und die sichtlich aufgescheuchte Weltgemeinde. Markolf Hoffmann blieb es vorbehalten, zur Ehrenrettung Ungarns in die Geschichte des sympathischen Landes einzutauchen und die Legende eines uralten Heilbades nachzuzeichnen.
Nach der Pause ging es kriminalistisch, cineastisch und musikalisch weiter: Holmes und Watson begaben sich auf die Spur eines verschwunden Mädchens (v. Aster), eine Kino-Trash-Gang lieferte sich wilde Jagden in diversen Kinosälen (Koch), und am Flügel wurde ein Geburtstagsständchen in Form eines düsteren Tangos gegeben (Hoffmann). Ungarische Stimmung vom Feinsten, ganz ohne Pörkölt und Puszta. Das neue Stirnhirnjahr kann beginnen!