ARCHIV 2006

"Ich habe doch noch gar nicht angefangen ..." 
Stirnhirnhinterzimmerer E. R. Furt kurz nach seiner Festnahme


Foto: Nadja Ritter

14. Dezember: Rote Nasen unter Mexikos heisser Sonne

Nein, dieses Thema hat keiner der drei StirnhirnhinterZimmerer verbrochen. Aber sie alle stellten sich ihm ohne Klagen. So hörte das sichtlich verwunderte Publikum ein Märchen um verzauberte Maulwürfe (Koch), eine surreale Fabel um einen Kaktusgott (Hoffmann) und die literarische Liebeserklärung an einen Paketdienst in der Wüste, der von koksenden Clowns betrieben wird (v. Aster). Wohlfeil waren auch die vonasterschen Tips zur gesellschaftlichen Nutzung verborgener Talente in Sachen "Killerspiel".
Erbauliches bot auch die zweite Hälfte des Abends: eine gruselige Urban legend (Koch), die seltsame Reise des Herzogs von Braunschweig und Lüneburg durch ein Kornfeld (Hoffmann) und eine Max-und-Moritz-Pastiche im Herr-der-Ringe-Gewand (von Aster). Damit sicherten sich die drei paramexikanischen Lesenasen jede Menge Applaus und kamen ohne Blessuren an ihren Riechorganen davon. So löste sich auch das letzte StirnhirnhinterZimmer des Jahres 2006 in Wohlgefallen auf ... um sich im Januar an gleichem Ort und mit neuen grotesken Einfällen zu manifestieren.

9. November: Superhelden

Und wieder einmal stirnhirnhinterzimmerte es gewaltig in Berlin Mitte. Es war der große Abend der Superhelden, weshalb Superkoch seine Schürze flattern und Doctor Astopus sich nicht auch nicht lumpen ließ. Invisible Boy Hoffmann war nicht zu sehen. Statt dessen fand sich Seltsame-Themen-Woman ein.
Doctor Astopus überwandt die Schwerkraft mit der Superhelden-Selbsthilfeposse We could be Heroes, worauf Koch seine Geschichte von Superkoch röntgenblickte und die Gastleserin aus dem superheldisch kaum erschlossenen Hannover das Thema heldenhaft ignorierte und einen erquicklichen Text über die Misere des Fahrzeugführerdaseins im diesländischen Straßenverkehr zum besten gab.
Im zweiten Teil wolle Superkoch sich nicht lumpen lassen, holte mit seinem Judas zu einem unmenschlichen Schwinger aus, so dass Astopus mit Necropias Thron nachtreten und Severine Biederwoman das Publikum mit zwei Possen über Fahrstühle und Marmorkuchen endgültig ausschalten konnte. Die drei Heroen des Wortes entkamen unerkannt. Zurück blieb das unheroische Thema des nächsten Hinterzimmers. Irgendwas mit Nasen, Sonne und Mexiko oder so. Das Gute siegt eben am Ende nicht immer.

12. Oktober: Fleisch

Der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach. Zu schwach auf jeden Fall, um sich trotz Erkältung in die Z-Bar zu schleppen und den Abend zum selbstgewählten Thema Fleisch zu bestreiten. Die Rede ist von Boris Koch: widrige Umstände hinderten ihn daran, das StirnhirnhinterZimmer aufzusuchen. Er blieb also vergrippt im Bett liegen. Markolf Hoffmann und Christian von Aster versuchten, die Lücke würdig zu füllen: mit einer erotischen Fleischfabel um ein lüsternes Buch und eine sinnliche Übersetzerin (von Aster), dem Meisterlichen Mahl, in dem ein Meisterkoch dem Troll Bob die Zubereitung der eigenen Person nahebringt (Hoffmann) sowie der mehr stein- als fleischhaltigen Trollgeschichte um Knecht Ruprecht und den Weihnachtsmann (von Aster).
Während im HinterZimmer schmackhafte Wurstpralinen verspeist wurden, deckten sich die Gäste mit neuen Getränken ein und wappneten sich zur zweiten Hälfte. Darin brachte ein babylonischer Priester dem Winddämon Zazuzu ein Opferlamm dar (Hoffmann), löste ein sinistrer Nachrichtenfälscher ein wahres Infogeddon aus (von Aster), und die Tür zu einem trostlosen Zimmer wurde nachhaltig verriegelt (Hoffmann). Eine Lesung, die wie ein gutes Stück Fleisch in der literarischen Pfanne des StirnhirnhinterZimmers brutzelte und am Ende so gut durch war, daß das gesättigte Publikum fröhlich Applaus spendete! Prädikat: Schmackhaft.

14. September: Harte Verhandlungen

Daß im StirnhirnhinterZimmer knallharte geschäftliche Interessen verfolgt werden, ist für die Besucher nichts neues: seit jeher posiert Günni Steinmeyer am Eingang, prüft penibel, wer ermäßigungsberechtigt ist und wer nicht, und läßt am Ende nur jene durch das enge Nadelöhr, die brav ihren Obulus entrichten. An diesem Septembertag fehlte zwar Günni - nebst Christian von Aster, der bei den harten Vorverhandlungen zusammengeklappt war -, doch auch den verbliebenen HinterZimmerern Koch und Hoffmann gelang es, das Publikum pflichtbewußt abzukassieren und dann an den Verhandlungstisch zu zerren.
Wurm
hatte die Verhandlungen eines kleinen Dorfs mit einem dreiköpfigen Lindwurm zum Inhalt (Hoffmann), Geißenpeters letztes Lied widmete sich mafiösen Umtrieben der Volksmusikszene (v. Aster, vorgetragen von Hoffmann), und der äußerst charmante Text Verhandlungen mit meiner Muse enthüllte, woher Boris Koch eigentlich seine Inspirationen bezieht. Um seine Muse im Negligè darf man ihn getrost beneiden. Des weiteren las Hoffmann die bizarre Geschichte Das Kupferarmband vor, angesiedelt in einer Kreuzberger Kneipe, wo erotische Verhandlungen und absurde Sinnsuche ineinanderfließen.
Nach der Pause wurde es unheimlich, als Boris Koch die Erzählung Ich war dabei vortrug - eine von H.P. Lovecraft inspirierte Innensicht auf einen obszönen Kult, garniert mit garstigen Splattereffekten und einem musikalischen Zwischenspiel von Markolf Hoffmann. Dieser beendete dann auch den Abend mit der literarischen Antwort Ich war nicht dabei, eine humoreske Variation des kochschen Elaborats. Über eine Zugabe wurde nicht verhandelt.

10. August: Einhornherpes

Mit Einhornherpes hatte sich bereits die zweite seltsame Krankheit ins StirnhirnhinterZimmer eingeschlichen und forderte gleich ein Opfer: Kollege Hoffmann weilte zur Auskurierung im Süden, hatte den Kollegen jedoch einen Bericht von vergangenen Fällen von Einhornherpes dagelassen. Sein Text Regeln für den Einhornpark, vorgetragen von Christian von Aster, berichtete von einer bösen List im Einhornzuchtgebiet und einer verlorenen Schlacht. Ganz zu schweigen von der lispelnden Schlange von Üpping. Kollege Koch gab offen zu, seinen eigenen Text über ein krankes Mädchen, Pferde tötende Väter und eine Jugend versprechende Blutbadeanstalt (Das Märchen vom ersten Spielplatz) nicht verstanden zu haben, dem Publikum erging es dann ähnlich. Von Aster beschloss nach der hingebungvollen Darstellung jener lispelnden Schlange die erste Hälfte sodann mit der Ballade vom keinbeinigen Captain Clagg.
Einer zehnminütigen Desinfektionsphase, während der sich das Publikum mit keimabtötenden Getränken eindecken konnte, folgte Hubert Katzmarzs Pilz im Glück über das Gewinnen und Verlieren einer Million, vorgetragen von Boris Koch. Anschließend erfuhr das Publikum von Koch, wie die Crew der Otherland Buchhandlung (ehemals Ufo) mit Kidnappern from Outer Space verfährt und was eine todsichere Suizidmethode ist, während Herr von Aster - eingedenk des fehlenden Markolfs  - mit Stanchloams Erbe seinerseits ein Werk von epischer Breite feilbot, in welchem das London des 19. Jahrhunderts mit frankensteinesker Zivilisationskritik bedacht wurde.
Alles in allem ein schöner Abend mit Herpes. Und wenn alle ihn haben, stört es ja auch keinen.

13. Juli: Die 8. Todsünde

Das 8. Gebot oder die 8. Todsünde? Niemand wußte so ganz genau, wie nochmal das Thema für das Hochsommer-StirnhirnhinterZimmer hieß, am allerwenigsten Christian von Aster, der für dieses parareligiöse Motto verantwortlich zeichnete. Er brachte auch den gotteslästerlichen Gast auf die Kanzel mit: André Ziegenmeyer, selbsternannter Taugenichts mit schrägen Ansichten. Bevor er zum Zuge kam, traten in dem bayrischen Kaff Hinteralfingen Dorfdeppen gegen Mönche zum Fußballturnier an (v. Aster), hielt Gott ein bizarres Zwiegespräch mit einem Bürohengst (Koch), wurde eine sündhafte Flaschenpost geöffnet (versiegelt von Günni Steinmeyer, der dieses Mal den Gang zum Beichtstuhl scheute), und der Ablaßprediger Tetzel keilte sich mit Neonazis (Hoffmann). Und dann war da noch das literarische Sündenregister des Gastes, vorgetragen in Gedichtform (Ziegenmeyer) mit bösem Ende.
Nach der Pause ging die Z-Bar-Messe weiter. Hoffmann brachte den alten Flügel mal wieder zum Schwingen, Koch sorgte mit der Geschichte über ein Begräbnis für ernste Mienen, und Ziegenmeyer erzählte eine Geschichte, die eigentlich gar keine war. Von Aster wiederum stieß sich wieder einmal an der Deutschen Bahn die Hörner ab - im Martyrium Braunschweigensis - und berichtete von seinen Problemen mit einem größeren deutschen Kommunikationsanbieter. Außerdem gewährte er Einblicke in einen schmucken Nachtschrank. Ziegenmeyer schilderte sein inniges Verhältnis zu seinem schimmelnden Kühlschrank. Und Hoffmann tupfte den Schweiß von den Stirnen der Stirnhirngäste - mit überhitzten Sommergesängen. Ein sündhafter Abend, der dank unchristlicher Temperaturen zumindest ein Gebot nicht überschritt: Du sollst nicht zu lange lesen.

8. Juni: 11 Freunde

Nicht elf, aber zumindest alle drei StirnhirnhinterZimmerer liefen im Z-Bar-Stadion auf zum durchaus fragwürdigen, aber unvermeidlichen WM-Beitrag unserer kleinen bizarren Lesereihe. Unterstützt wurde das Stammteam von Einwechselspieler Sebastian Stoll, der mit zackigen Verbalgrätschen und in stilechtem Trikot als Inbegriff des Fußballiteraten die Tiefen des Z-Raums auslotete. Zunächst aber flankte Boris Koch den literarischen Ball mit untoten Juniorfußballern aus der bayrischen Provinz weit ins Phantastische. Sebastian Stoll nahm souverän an und verwandelte mit einer eiskalten Geschichte um ein frostiges Berliner Straßenturnier zum 1:0. Sportbanause Christian v. Aster foulte dann, wenn auch sehr charmant, indem er eine fußballferne Geschichte um eine Gruftbewohnerin und ihre elf mumifizierten Freunde zum Besten gab. Markolf Hoffmann wiederum schrie sich mit dem Klagegedicht Elf seinen Zorn über die unselige Weltmeisterschaft von der Seele.
In der zweiten Halbzeit: Stoll verquickte Fußball und George Orwell zu einer obskur-apokalyptischen Fußball-Medien-Satire, und Hoffmann erzählte vom Aufstieg des Viertligisten FC Kneitlingen, der sich mithilfe von Voodoo-Magie den Weg in die Bundesliga ebnet. Koch griff erneut in seine "Urban legend"-Schublade und fabulierte von einem Selbstmord im Dienst, während v. Aster ein Romankapitel über Pu von Baskerville darbot. Keine roten Karten also, trotz böser Blutgrätschen und sichtlich fußballkritischen Gästen, die nach dem Abpfiff keine Verlängerung forderten. Was wohl am guten Wetter gelegen haben muß.

5. Juni: Das StirnhirnhinterZimmer in Leipzig

Das erste Gastspiel! Hoffmann, Koch und von Aster waren zum WGT (Wave Gotik Treffen) ins sächsische Leipzig geladen, und sie ließen sich nicht lumpen: Ein Best-Of-Stirnhirn wurde im Cinestar am Petersbogen vor gutgefülltem Kinosaal gegeben. Das alte Spiel "Guter Bulle, Böser Bulle und Markolf Hoffmann" (siehe Archiv 2005) wurde zum Leidwesen des Letzteren auch dieses Mal wieder gespielt ... um dann die stirnhirnunbefleckten Leipziger Gäste mit skurrilen Texten wie Monoleben (Koch), Die kleine Frühstücks-Selbstverstümmelung (Hoffmann) und Arabisches Bier (v. Aster) aufzupeitschen. Von Aster umrahmte die Geschichten seiner Kollegen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Stirnhirnhinterzimmer-Phänomen, während Hoffmann erneut Dämonen aus Tranquilia entkommen ließ und sich mit einem Skelett einen amourösen Sparringkampf lieferte. Koch wiederum rührte den Kinosaal mit dem Märchen von Rippchen und ihrer Einschulungstätowierung zu Tränen und weihte ihn zudem in die wahre Geschichte vom Garten Eden ein. Tolle Stimmung, Leipzig in Angst und Schrecken, Mission gelungen. Und das trotz stilloser Plastikblumenkettchen, die Herr von Aster in einem 99cent-Shop erworben hatte.

11. Mai: Mythenbashing

Zugegeben, so richtig schlimm war das Bashing am Ende gar nicht. Die StirhirnhinterZimmerer schonten die zarten Seelen ihrer Gäste - und nutzten trotzdem die Gelegenheit, auf Mythen aller Art einzubashen. Da wurden irdische Mythen als extraterrestrische Importartikel entlarvt (v. Aster), da wurde die Sage von Theseus und dem Minotaurus ganz neu erzählt (Koch) und zudem die Frage beantwortet, was nach dem Tod dieser armen Kreatur aus dem Labyrinth von Knossos wurde (Hoffmann) - ein Erlebnispark nämlich. Eine Koboldgeschichte aus der Sahara (v. Aster) rundete die erste Hälfte des Abends ab.
Während die Mythen sich vom Bashing erholten, erwarb das Publikum neue Getränke und sah der zweiten Runde entgegen. Ein genügsamer Troll wurde als Kirchenpfeiler zweckentfremdet (v. Aster), ein Marmortaucher floh aus dem Alltag in die Wand seines Bürogebäudes (Hoffmann), und das transkronologische Postamt Pödlitz öffnete seine Pforten bzw. wird sie demnächst öffnen (v. Aster). Ergänzend wurden einige zukünftige Briefe verlesen, die auf diesem Postamt abgefangen wurden bzw. abgefangen werden (Koch).
Mit gebashten Stirnhirnen verließ das Publikum den Ort des Geschehens, der zur Freude der Lesenden nahezu ausverkauft war - trotz strahlenden Wetters. Mal sehen, wie viele von ihnen im Juni zurückkehren, wenn bei hohen Temperaturen "Elf Freunde" im Z-Bar-Stadion auflaufen ...

13. April: Krokantblattern

Schlemmern pur war angesagt in der Z-Bar, als die drei Zuckerbäcker Koch, v. Aster und Hoffmann zum dreizehnten Mal das literarische Buffet eröffneten. Praktikant Günni verteilte Krokantplätzchen, während v. Aster sich dem medialen Themenkomplex Supermodels widmete. Der Mann schaut einfach zuviel Fernsehen. Koch berichtete aus Jugendtagen, wie sein Vater zum zweiten Mal die Welt rettete, und Hoffmann ließ einen unglücklich verliebten Pfefferkuchenmann im Schloß des Hexenmeisters tanzen. Auch ein Sixpack Flaschengeister (v. Aster) und die oralen Eskapaden des Akkordarbeiters Casanova (Günni Steinmeyer) wurden als literarische Leckerlis dargeboten.
Die zweite Hälfte war dann den großen Wahrheiten gewidmet. Hoffmann reichte seinen Jubiläumsbeitrag nach und berichtete von der Geburtsstunde des Stirnhirnhinterzimmers, Koch las zwei neue urban legends (über einen obskurer Selbstmord und einen sexistischen Sheriff), und v. Aster thematisierte äffische Religionskulte in zoologischen Gärten. Das Publikum wirkte angetan und forderte (wenn auch zögerlich) Zugaben. Statt der erhofften Krokantblattern bekamen sie eine dritte urban legend (Koch) serviert, zudem das etwas wirre SF-Fragment Cithaeron (Hoffmann) und mahnende Worte zur Verbotsschildunkultur (v. Aster).
Alles in allem ein zuckersüßer Abend, der uns allen noch schwer im Magen liegen wird.

9. März: Stirnhirnhinterzimmer - Das Jubiläum

Ein Jubiläum stand an, und während die einen das einjährige feierten, sprachen andere von 150 Jahren StirnhirnhinterZimmer. Wie viele Jahre auch immer zu feiern waren, ein böser Stern stand über der Veranstaltung, stürzte auf Markolf Hoffmann nieder und fesselte ihn mit bösen Krankheiten ans Bett. So feierte ein leider unvollständiges Trio den Jahrestag mit den Erlebnissen eines Suchenden in Auf der Suche nach dem Stirnhirnhinterzimmer (Koch), bevor Christian von Aster mit seiner Auseinandersetzung Das Stirnhirnhinterzimmer - Ursprung, Bedeutung und Geschichte die wahren und historischen Hintergründe dieses Phänomens ergründete. Koch schickte sodann zwei Jungen auf einem Floß den Bach eines mehr oder weniger idyllischen Dörfchens hinunter, und Christian von Aster offenbarte Die Weisheit der Trolle.  
Vor der Pause feierte Günni, charmanter Einlaßverwalter und Kasseur des HinterZimmers, noch einen Kindergeburtstag, in dem er die einjährigen HinterZimmerer Hoffmann, von Aster und Koch auf eher unkonventionelle Weise topfschlagen ließ. Im zweiten Teil versetzte von Aster etwas verspätet aber dafür kannibalisch dezent Berlin in Angst und Schrecken, und Koch thematisierte die sexuelle Obsession eines Mannes bezüglich Industrieroboter (Roboterliebe). Zuletzt verriet Herr von Aster noch Das letzte Geheimnis der Mir, und Kollege Koch ließ einen Kaktuskiller (Koch) in den USA sein Unwesen treiben. Von Aster warf als Sahnehäubchen noch ein vogelgrippales Poem in den Raum (Der kalte Schnabel des Todes), Koch wiederum las als Jubiläumskirsche auf der Sahne die grotesken Erlebnisse eines Last-Minute-Träumers, der zu gleichen Teilen aus der Feder von Koch und von Aster stammte.
Ein Jubiläum mit allem, was es braucht. Abgesehen von Markolf. Aber der feiert nach! Versprochen!

9. Februar: Schweinekalt

Frostbeulen, fiebrige Erkältung, Lungenentzündung ... all dies und noch mehr erwartete die Gäste des StirnhirnhinterZimmers bei gemäßigten Temperaturen und naßkaltem Wetter. Das eiskalte Trio war allerdings auf ein Duo zusammengeschmolzen, da Christian von Aster - einer zarten Schneeflocke gleich - vom Sturm des Schicksals nach Erfurt geweht worden war. Immerhin gab es eine Geschichte von ihm zu hören, vorgetragen von Boris Koch: Der Betriebsausflug einer Firma artet zu einem "Get the flag"-Spiel im Kühlhaus aus, inklusive herumfliegenden Tiefkühlpizzen und einer Fischstäbchenkanone. Kulinarisches bot auch Markolf Hoffmanns Beitrag Sülze, der die Ekelschwelle um einiges höherschraubte, denn dieses kalte, glibberige Nahrungsmittel stand im Mittelpunkt seiner Geschichte. Fehlten eigentlich nur noch die Pinguine von Boris Koch, die im dritten Text des Abends die Weltherrschaft übernahmen und sich selbst durch Pinguinkostüme nicht täuschen ließen. Futuristisches bot dann der abrundende Klamauk von Günni Steinmeyer: Eine unbemannte Mission zum Mars mit befruchteten Eizellen zeitigt ungeahnte Ergebnisse.
In der zweiten Hälfte des Abends ging es weniger albern, aber um so frostiger weiter. Nach dem Song Path (Hoffmann) konnte das Publikum einen Blick in das geheimnisvolle Holzkästchen werfen (Hoffmann), sich in ein von Poe inspiriertes Kinderbettchen legen, über dem ein Schwert kreist (Koch), das Lebenstrauma des Jungliteraten Joni bedauern (Hoffmann) und dem vierten und letzten apokalyptischen Traum des B. Koch lauschen. Mit Heulen und Zähneklappern rang das fröstelnde Publikum den Vortragenden dann noch drei Zugaben ab: Das lyrische Schmankerl Erfurt (Hoffmann), eine weitere urban legend von B. Koch und den Song Rough Guy von M. Hoffmann. Fazit: Publikum eiskalt erwischt, Vorfreude auf das Jubiläum im März, Hoffnung auf den baldigen Frühlingsbeginn. Erfurter Verhältnisse sozusagen.

12. Januar: Hinab ins Dunkle

Ein richtiges Gute-Laune-Thema bot das erste StirnhirnhinterZimmer des Jahres 2006: Es ging Hinab ins Dunkle, und dementsprechend finster waren die Geschichten, die das Publikum aus den Mündern der drei dunklen Gestalten Koch, von Aster und Hoffmann vernahm. Hoffmann eröffnete den Abend mit dem labyrinthischen Irrweg eines Ego Shooters, von Aster ließ den Schattenbastard auf die Gäste los, und Koch explorierte den Keller als Ort familiären Grauens. Und dann waren da noch von Asters Schrankaffen, die ein kleines Schlitzohr im dunklen Keller eines irren Wissenschaftlers findet.
Nach der Pause gab es dann weitere lichte Momente: Koch gab mit Jäger mit Promille und Die Waffen einer Frau zwei neue Urban legends zum besten und entführte das Publikum in das literarische B-Movie Giftangriff aus dem All, während Hoffmann mit Brandbrief eine Erzählung darbot, die von einem verpatzten Rendezvous und seinem eigenartigen Nachspiel handelte. Von Aster wiederum versuchte, die Gäste von einer Zwangssiamesierung der Überlingen-Stiftung zu überzeugen und gab mehr oder minder hilfreiche Tips zur komplexen Frage Sexuelle Identität: Krise, Konsequenz und Kompromiss. Geläutert konnten sich die Gäste aus den dunklen Abgründen der Z-Bar befreien und auf den Heimweg machen, trotz der allumfassenden Dunkelheit, die ihnen ins Stirnhirn gezimmert worden war. Schade nur, daß bei der von Koch eigenmächtig initiierten Wahl des nächsten Themas das Motto Hinauf ins Licht knapp unterlag. Denkbar knapp ...